In einer Zeit, in der Nachhaltigkeit, Sparsamkeit und der Reiz des Second-Hand-Booms immer wichtiger werden, sind Kleinanzeigen für Millionen von Deutschen zur ersten Anlaufstelle geworden, wenn es darum geht, etwas zu kaufen, zu verkaufen oder einfach loszuwerden. Die Plattform – offiziell „eBay Kleinanzeigen“ bis 2023, seitdem einfach „Kleinanzeigen“ – hat sich vom kleinen Ableger eines Online-Auktionshauses zum größten digitalen Marktplatz für Gebrauchtwaren in Deutschland entwickelt.
Von eBay Kleinanzeigen zu Kleinanzeigen – die Umbenennung
Im Mai 2023 trennte sich der norwegische Adevinta-Konzern vom eBay-Branding und taufte die Plattform in „Kleinanzeigen“ um. Der Grund war simpel: Der Dienst hatte sich längst verselbstständigt und funktionierte komplett anders als das klassische eBay mit Auktionen und Versand. Hier geht es fast ausschließlich um lokale, persönliche Übergabe – „Abholung bevorzugt“ ist wohl der meistgeschriebene Satz in deutschen Kleinanzeigen-Inseraten.
Warum Kleinanzeigen so beliebt ist
- Kostenlos für Privatpersonen
Das Einstellen von Anzeigen ist für Privatleute weiterhin komplett kostenfrei (Ausnahmen: gewerbliche Händler und bestimmte Kategorien wie Immobilien oder Autos bei sehr vielen Anzeigen). - Regionalität
Man sucht im Umkreis von 5, 20 oder 100 Kilometern – perfekt für Möbel, Fahrräder oder Kinderwagen, die niemand verschicken möchte. - Schnelligkeit
Ein paar Fotos mit dem Handy, Preis eingeben, zwei Sätze Text – in unter zwei Minuten ist die Anzeige online. Oft ist das Sofa noch am gleichen Abend verkauft. - Alles ist dabei
Von der kaputten Waschmaschine („geht manchmal noch“) über Designer-Handtaschen und Sammlungen alter Gameboy-Spiele bis hin zu „Verschenke“-Anzeigen für Umzugskartons oder halbvolle Farbeimer. Es gibt kaum etwas, das nicht irgendwann auf Kleinanzeigen auftaucht.
Die Klassiker der Plattform
Jeder, der regelmäßig dort unterwegs ist, kennt sie:
- Der „NP“-Typ (Neupreis wird stolz genannt, als wäre das ein Argument)
- Der „Wegen Umzug“-Verkäufer (der offenbar seit 8 Jahren permanent umzieht)
- Die „letzter Preis“-Fraktion, die nach zwei Minuten schon 50 Euro runtergeht
- Die legendären „Verschenke“-Threads, in denen um 22 Uhr noch 47 Leute schreiben „Bin interessiert, kann sofort abholen“
Tipps für erfolgreiches Kaufen und Verkaufen
Als Verkäufer:
- Gute, helle Fotos (am besten bei Tageslicht)
- Ehrliche Beschreibung – Mängel lieber erwähnen, spart später Streit
- Preis mit Verhandlungsspielraum ansetzen (die meisten erwarten, dass man noch was runtergeht)
- Treffpunkt vorschlagen: öffentliche Orte (Parkplatz vor dem Supermarkt, Bahnhof)
Als Käufer:
- Immer vor Ort genau anschauen und testen
- Barzahlung bevorzugen und Quittung schreiben lassen
- Bei teureren Dingen (Handys, Laptops, E-Bikes) besonders vorsichtig sein
- „Sofort abholen kann“ schreiben – erhöht die Chancen enorm
Die Schattenseiten
Natürlich hat auch Kleinanzeigen seine Tücken: Betrugsversuche, Geister-Inserate von Profi-Händlern, die sich als privat ausgeben, oder die berüchtigten „Ich überweise dir das Geld und mein Spediteur holt es ab“-Maschen. Die Plattform reagiert inzwischen mit mehr Sicherheitsfunktionen (z. B. verschlüsselte Chat-Funktion, Bewertungen, Identitätsprüfung bei gewerblichen Anbietern).
Fazit: Unverzichtbar geworden
Ob man nun das Kinderbett loswerden will, ein günstiges Fahrrad für den Sommer sucht oder einfach mal wieder staunt, was die Nachbarn so alles im Keller horten – Kleinanzeigen ist aus dem deutschen Alltag nicht mehr wegzudenken. Die Plattform verbindet Nachhaltigkeit (Wiederverwendung statt Neukauf) mit dem guten alten Flohmarkt-Feeling – nur eben mit dem Handy auf der Couch.
Und mal ehrlich: Wo sonst kann man um 23:17 Uhr noch ein fast neues Sofa für 80 Euro finden – und es eine halbe Stunde später schon im Kofferraum haben?
Kleinanzeigen – hier wird gehandelt, gefeilscht und manchmal auch ein bisschen gelacht. Ein Stück echtes Deutschland, digital verpackt.
